Gottfried „Goggi“ Wunderl

 11. Oktober 1938 - 9. März 2010

 

Ein Nachruf von Werner Steurer

Eigendefinition: Ein Oldtimer und Pensionist

Diese Eigendefinition muss näher interpretiert werden: Oldtimer stimmt nur bedingt, denn inzwischen sind auch einige von uns ja schon am besten Weg dorthin, aber Pensionist ist bei Goggi eine besondere Geschichte:

Sein letzter Dienstgeber (Mobil Oil) betraute ihn mit der Reorganisation der Unternehmensstruktur sowie des EDV-Wesens und Goggi leistete dabei hervorragende Arbeit, die dem Unternehmen Unsummen an Einsparungen ermöglichte. Die Umsetzung seiner Vorschläge bedeutete allerdings, dass er auch seinen eigenen Arbeitsplatz dem neuen Konzept opferte. Allerdings zeigte das Unternehmen Stil und Dankbarkeit, und schickte ihn nach getaner Arbeit sehr frühzeitig in Pension – natürlich auf Kosten des Unternehmens. Somit hatte der Begriff „Pensionist“ für ihn einen ganz besonderen Klang. Wir haben oft über diese Geschichte geplaudert und geschmunzelt.

Goggi kam eigentlich nicht zu den Custom Cruisers wie viele andere Mitglieder, er rutschte quasi ganz unauffällig hinein. Es war die Zeit, als unsere Wally selig von ihren automobilistischen Eskapaden und beherzten Gasgebereien im Club erzählte, und fallweise, später immer öfter und dann regelmäßig von einem seriös und situiert wirkenden Herrn abgeholt wurde – ihrem Goggi. Nachdem sich Goggi langsam in das Clubleben integrierte – es wurde aber immer noch von den Wallys gesprochen – begann er sich auch für echte Autos zu interessieren, was ja vorher bis auf wenige Ausnahmen eher nicht der Fall war.

Nach dem Tod von Wally fand Goggi eine zweite Familie im Club, er engagierte sich stark, nahm an diversen Reisen teil und schrieb kurzweilige, launige Reiseberichte für die Custom Cruisers News. Mit großem Stolz fuhr er sowohl mit seinem Blazer als auch mit der Corvette in der Gegend herum und wir alle waren sehr froh, da es schien, dass er den Verlust seiner Frau verarbeitet hatte. Großen Spaß bereitete es auch, seinen Erzählungen von diversen Reisen und Auslandsaufenthalten zu lauschen.

Vor einigen Jahren allerdings fiel er einer heimtückischen Krankheit anheim, die das einst so kraftstrotzende, lebenslustige Mannsbild schwächte und mehrmals in die Klinik zwang. Auch wenn er sich immer wieder aufrappelte, man gewann mehr und mehr den Eindruck, dass Goggi innerlich den Kampf gegen die Krankheit aufzugeben begann – jeder Weg vom Krankenbett zurück ins Leben wurde länger und beschwerlicher – sicher fehlte ihm in diesen schweren Zeiten auch der Zuspruch seiner Frau. Bei seinen –zwangsläufig – seltenen Besuchen im Club vermisste man den sonst bei ihm auffälligen Lebensmut.

Zwischendurch entschied er sich auch, den schönen Familienwohnsitz zugunsten eines Platzes in einem Pflegeheim zu verlassen, wo er sich immer mehr in sich selbst zurückzog.

Nach einer weiteren Attacke durch seine Krankheit hat Goggi sich am 9. März 2010 endgültig wieder auf eine Reise begeben. Nur, dass diese Reise keine Rückkehrmöglichkeit enthält, dafür wird er in irgendeiner anderen Dimension sicher seine Wally wieder treffen und in die Arme schließen können. Aber wir sind sicher, er wird wie früher auch, wohlwollend von oben auf uns herunterschauen und ein wenig auf uns aufpassen – denn schließlich war ja er der Oldtimer und gütige Pensionist, und wir sind erst auf dem Weg dorthin….

STW