DIE CUSTOM CRUISERS BEIM 24. POWER BIG MEET 2001 IN VÄSTERÅS

Ein Bericht von Manfred Schillab mit Fotos von Martin Schramek


Wie Ihr ja vielleicht schon wisst, fuhren etliche wackere Straßenritter von den Custom Cruisers diesen Sommer nach Schweden. Diese Mutigen waren niemand anderer als Thomas, Hilli, Goggi, die Freys und meine Wenigkeit, el Manfredo. Die Schwedenflotte bestand aus einem 68er Buick Skylark, einem 66er Oldsmobile Cutlass Station, einem 64er Buick Riviera, einer 99er Chevrolet Corvette und last but not least einem 74er Chevrolet Impala. Gleich vorweg möchte ich sagen, dass alle Autos trotz ihres Alters problemlos ihren Dienst versahen und uns keiner dieser Wagen im Stich ließ. Immerhin galt es eine Stecke von weit über 4.000 Kilometer zu bewältigen (natürlich hin und retour gerechnet).

Fünf Fahrzeuge gehen auf große Fahrt

Die lange Geschichte der Anreise will ich eigentlich nicht erzählen, und so komme ich gleich zum Kern unserer Reise, zum Power Big Meet in Västerås, Schweden, dem größten US-Car Treffen außerhalb der USA. Tja, und glaubt es nur, es sprengte unsere kühnsten Erwartungen! Nach einer nie enden wollenden Anreise, so manchen tat trotz bequemer Sitze schon der A.... weh. Nach fünf Tagen, kamen wir endlich im Garten Eden der Amifahrer an.

Der Konvoi der Custom Cruisers während einer Rast

Am Donnerstag kamen wir in Västerås an, bezogen unser schönes Domizil, nicht weit weg vom Ort des Geschehens und sondierten gleich mal die Lage. Tom und ich verfuhren uns gleich mal kräftig in Västerås, dafür kennen wir jetzt das Stadtzentrum wie kein zweiter, weil wir darin herumkurvten und gut 15mal an der Straße nach Hause vorbeifuhren. Da unsere zwei Autos ja doch von der langen Fahrerei recht schmutzig waren, mussten sie natürlich gleich gewaschen und ausgesaugt werden. Während der Rest der Truppe schon friedlich schlief, putzten Tom und ich unsere Autos auf Hochglanz, und ich ärgerte mich mit dem Staubsauger auf der Tankstelle herum. Eigentlich sollte dieses Ding Staubbläser heißen, da er mehr Dreck ins Autoinnere hinein blies, als er heraussaugte.

Stopps bei ähnlichen Stationen gab's wohl öfters

Da es ja in Schweden um eine Kleinigkeit länger hell ist als bei uns, so ungefähr bis halb zwölf Uhr nachts, aber dafür wird es ab halb drei wieder lichter, aber so richtig finster wird es auch mitten in der Nacht nicht, verging uns beim Waschen der Wagen die Zeit so schnell, dass der Wunsch nach einem guten Creme-Eis nicht mehr entsprochen werden konnte, da schon alle entsprechenden Läden geschlossen hatten, und so blieb uns nichts anderes übrig, als im Hotel dann gegen 3.00 Uhr früh Hamburger mit Pommes zu vertilgen , ehe wir dann eine Stunde später (die Sonne stand schon wieder am Himmel) zu Bett gingen, um 7.00 Uhr wieder aufzustehen.

Morgenstau

Und endlich Freitag. Der erste Tag des großen Treffens. Ab dem späten Vormittag standen wir in einer unendlich langen Schlange wartender Amis aller Baujahre, Typen und Klassen, bis wir endlich nach langer Zeit das dreispurige Einfahrtsportal ins Glück passierten. Ganz professionell wurden wir von Platzeinweisern zu unseren Standorten dirigiert, und kaum die Motoren abgestellt, begann die pilzartige Ausbreitung der Custom Cruisers rund um unsere Autos mit Campingsessel, zweckentfremdeten Clubregenschirmen, die als Sonnenschutz fungierten und sonstigen Utensilien des Wohlbefindens.

Wahnsinnsgespann: Oldsmobile 1958

Als Tom aus seinem Buick ausstieg, waren seine ersten Worte: “Burschen, mir san im Himmel.” Und recht hatte er. Kaiserwetter bei frostigen 36° plus im Schatten - wer behauptet da, in Schweden wäre es kalt, hat wohl ein gestörtes Verhältnis zu seinen Nervenbahnen. Und wie kann es anders sein: Amis, Amis, Amis! So viel Blech auf einem Fleck hat wahrscheinlich nicht mal die VOEST anzubieten. Man sah einfach alles.

Muscle Car schlechthin: Pontiac GTO

Vom gerade noch fahrenden Rostfragment mit Motor, bei dem man raten musste, was es einmal war, bis hin zum traumhaftesten Neuzustand in makellosestem restaurierten Superzustand, der fallweise besser schien als es der Fahrzeugproduzent selber zusammenbrachte. Ja und dann gab es natürlich auch die wildesten Umbauten vom alten Buckel-Volvo bis hin zum Hotrod, war alles da.

Was für eine Kreation!

Natürlich durften bei solch einem Event auch die Standler mit ihren Leiberln, Jacken, Hosen, Ersatzteilen, Lektüren, Musik CDs, Hamburgern, Süßigkeiten usw. nicht fehlen. Tom und ich benötigten für alle Standeln ca. 1 1/2 Tage, bis wir alle durch hatten und fanden, wonach wir suchten. Ich fand meine heiß gesuchten Verkaufsprospekte von Chevys 74er Palette und die im Motorraum befindlichen Werksaufkleber und Tom seine heißgeliebten Rücklichter, ganz in rot gehalten, ohne die Hineingefixten Blinkergläser in gelb. Erwin stöberte mir sogar den letzten noch vorhandenen Kleiderhaken in schwarz auf, der bei meinem Wagen von je her fehlte. Eh klar, dass Tom und ich das Werkzeug gleich auspackten und die vorhandenen Neuteile gleich montierten. Wurde natürlich alles von den Paparazzi festgehalten, eh klar, nix kann man allein machen.

Voll besetzter Plymouth Fury

Tja Leute, es ist doch gut, wenn man einen Beifahrer, den uns allen bekannten Fotobildmaschinenmann Martin Schramek, mit hat, der die gesamten Bilder auf mehr als über 600 Fotos mit seiner Digicam festhielt. Denn Martin kam gar nicht dazu, seine Kamera auskühlen zu lassen, so viel gab es hier zu sehen. Und wer glaubt, dass am Abend in Västerås Ruhe einkehrte, der hatte sich geirrt.

Anstellen zum Night Cruising


Weit gefehlt, denn jetzt ging es erst richtig los. Das abendliche Cruising stand bevor, und es war der helle Wahnsinn. Tausende von alten Amis schoben sich durch die ganzen Straßen und Gassen von Västerås und sorgten für entsprechendes Chaos. Ebenso waren zigtausende Einheimische am Straßenrand, die den einen oder anderen zu gummimordenden, rauchenden und kreischenden Burnouts anstifteten, und dies mit begeistertem Applaus und Gejohle honorierten. Und seltsamerweise überall Schweden: In den Autos, auf (!!) den Autos, rund um die Autos. Nach einer kurzen Begutachtung des Geschehens parkten wir unsere Schlitten auf einem Seitenweg, packten die Campingsessel aus den Kofferräumen, bewaffneten uns bis auf die Zähne mit Fotomaterial, nahmen entspannt Platz und genossen den vollen Wahnsinn mit heller Begeisterung.

 

Give me the night ....!

Einmal wurden wir sogar von vorbeifahrenden Schweden wegen unserer Clubjacken angesprochen. Erstens hielten sie uns für eine Gruppe Amerikaner, und zweitens boten sie uns 1.000 Kronen für eine Jacke, die wir natürlich nicht verkauften (schön blöd, denken sich wohl manche, aber du kannst doch deine Farben nicht verschachern, oder?).

 

Swedish Graffiti .....


Stunden verbrachten wir so am Straßenrand, ehe wir uns von der Polizei in die endlose Schlange von Verrückten eingereiht, nach Hause kämpften, um wieder irgendwann früh des Morgens ins Bett zu kommen und um am nächsten Tag wieder unter den ersten am Felde zu sein!
 

Dieser Dodge Polara zog viele Blicke auf sich

Am Samstag fand das Treffen seinen Höhepunkt. Es waren ca. 10.000 Fahrzeuge am Platz und die Massen waren in absoluter Feststimmung. Wir begannen den Platz systematisch abzugehen, um wirklich alle Fahrzeuge zu Gesicht zu bekommen, gaben dieses Unternehmen aber am frühen Nachmittag auf, da es schier unmöglich war, alle Autos zu begutachten.
 

Old pickups never die ....
 

Da zu diesem Treffen alles, was alt ist und auch in den USA zum Straßenbild gehört, willkommen war, stöberten wir auch einen Deutschen auf, der mit einem 54er Käfer in echt astreinem Zustand kam. Dieser Wagen hatte alles drauf, was seinerzeit vom Zubehörhandel angeboten wurde. Dies begann bei Fenderskirts, ging über Sonnenschutz über der Windschutzscheibe bis hin zum original Werbeaufkleber in der ovalen Heckscheibe, die fünf Mustangs abbildete, wo darunter stand: “Jetzt neu - um 5 PS mehr”. Süß, gell, 5 PS hat bei einem Ami schon eine Zündkerze, und hier hat der ganze Motor schon 30 PS, wow! Na ja, zum Vorwärtswurschteln reicht’s allemal.

 

Ford Hot Rods

Als wir dann am Nachmittag bei der Einfahrt Stellung bezogen, wurden wir plötzlich auf ein seltsames, uns aus Filmen bekanntes Motorengeräusch aufmerksam. Was das wohl ist? Auto? Rasenmäher? Moped? Traktor? Nein! Es war eine im Tiefflug ankommende alte, amerikanische Militärmaschine, uns bekannt aus dem Film Pearl Harbour. Ihr werdet es nicht glauben, aber der Pilot hatte so einiges auf dem Kasten, was er uns eindrucksvoll für ca. 20 Minuten über den Autos in hohen Lüften bewies. Einige Male flog er Sturzangriffe und zog die Maschine jedes Mal später in die Höhe. Tom und ich schlossen schon Wetten ab, welches unserer Fahrzeuge er sich wohl zum Ziel machte, und jeder hoffte, es wäre das des anderen. Aber zum Glück war es ein Vollprofi, der den Steuerknüppel in Händen hielt und es passierte nichts, außer, dass uns die Spucke wegblieb, als er beim letzten Anflug nur mehr ca. 15 Meter über die Köpfe der Massen darüberflog, ehe er in der Ferne der Luft verschwand. Es war der helle, geile Wahnsinn, echt toll! Man bekäme nichts geboten, ist wohl das Unpassendste, was man zu jenem Event sagen könnte.

 

Da schauen sogar die Custom Cruisers

Nach kilometerlangen Märschen durch die endlosen Fahrzeugreihen neigte sich auch der Samstag mit einem Night-Cruising bis in die Morgenstunden dem Ende entgegen. Eins kann ich Euch sagen: Feiern und Saufen, das können sie wirklich gut, die Schweden. Zwischen den zum Bersten überfüllten Tankstellen wurde auf den Einfahrten und zwischen den Zapfsäulen Bier und sonstige Getränke in Massen vernichtet, Rock’n’Roll getanzt und eben voll gefeiert.

 

Chopped Mercury

Selbst der örtliche Rundfunk feierte mit, indem er einen separaten Sender einrichtete, der rund um die Uhr nur Oldies spielte, und tat das seine zu einer Superatmosphäre, so dass man sich in die Sechziger zurückversetzt fühlte und meinen konnte, man sei in einer kleinen amerikanischen Vorstadt zu eben dieser Zeit. Auch unser Quartier tat das seine zum Wohlfühlen. War doch gleich gegenüber auf demselben Parkplatz der zum Hotel gehörte, ein McDonalds mit Drive In, aus dessen Lautsprecherboxen immerzu Oldies über den Platz tönten, und gleich neben dem Hotel eine große Tankstelle, die eben entsprechend mit US-Fahrzeugen und feiernden, manchmal auch alkoholbetäubten Schweden überfüllt war.

 

Feintuning ....

Was einem noch zusätzlich etwas US-Flair vermittelte, war die Tatsache, dass man sich untereinander vorwiegend englisch unterhielt. Diese Tatsache war für mich verbales Survival-Training, da meine Schulenglischkenntnisse nicht eingerostet, sondern gänzlich verrostet waren und sich auf yes, no, Marlboro beschränkten. Aber man soll gar nicht glauben, zu welchen Wundern Zwang führen kann. Denn ich hatte die Gelegenheit, von einem Schweden wegen unserer für sie exotisch wirkenden Plakatwände namens Kennzeichen angesprochen zu werden, welcher aus dem Staunen nicht herauskam, als ich ihm sagte, wir kämen aus Österreich. Ich aber staunte umso mehr, als er zu mir sagte: “Oh, you come from Haiders country Kärnten?” Als ich ihm aber verneinte und ihm zu verstehen gab, aus Wien zu kommen, meinte er darauf: “Oh, beautiful, Mozart and more..” Somit kamen wir dann weiter ins Gespräch, wobei ich bis jetzt nicht weiß, hat er mich verarscht, oder hat er es ernst gemeint mit Mozart.

 

Eines von vielen Ford Rods

Nun denn, was soll’s, Martin, Tom und ich sowie der älteste Sohn der Freys, Christoph, der uns immer begleitete, wohin wir auch gingen, hauten uns frühmorgens auf's Ohr und wenige Stunden später standen wir schon wieder halbmunter auf dem Gelände, um einen weiteren, den letzten Tag im Paradies zu verbringen. Wieder machten wir Kilometer zwischen den Autoreihen und Standeln, verschlangen massenhaft Creme-Eis (soviel Eis wie in Schweden habe ich mein gesamtes Leben zuvor nicht gegessen!) und liefen uns die Füße platt, so dass wir eigentlich Anwärter für die goldene Wandernadel hätten sein müssen.

 

Äußerst potenter Charger begeisterte das Publikum


Da die Freys am Samstag ihr Fahrzeug präsentierten, war dem Veranstalter auch die Länge unserer Anreise bekannt, was sich später bezahlt machen sollte. Denn als wir dann nachmittags zur Preisverleihung, der einige lustige Veranstaltungen wie Wettrennen, Tretauto-Wettfahren oder Coladosen-Wettrinken vorangingen, schritten, waren wir nicht schlecht überrascht, als auf einmal die Freys und ihre Begleiter aus Österreich aufgerufen wurden, um den Preis für die längste Anreise entgegenzunehmen. Als der Moderator uns ansichtig wurde, meinte er scherzhalber, ob wir alle zusammen mit nur einem Auto gekommen wären. Als wir ihm aber zu verstehen gaben, mit vier Fahrzeugen am Platz zu sein, wurden kurzerhand vier Pokale für die “longest distance” umgewidmet und den Fahrern, unter ihnen auch ich, von bezaubernden Schweden-Girls mit Küsschen links und Küsschen rechts (Schleck, Lechz, Schlürf) überreicht.

 

Erwin Frey bei der Pokalvergabe

Auch die Zuseher, derer viele anwesend waren, spendeten uns großartigen Applaus. Und zu guter Letzt mussten wir den neugierigen Zusehern und Moderatoren unsere Fahrzeuge präsentieren, welche dann auch sofort von vielen Fotografen umringt und abgelichtet wurden. Auch ein Supergruppenbild, auf dem ich zum Wohle der Allgemeinheit auf intelligente Grimassen verzichtete, auf dem wir mit unseren vier Autos zu sehen sind, wurde geschossen. Dieses Bild ist auch im schwedischen Street Power Magazin zu bewundern (Geil, wir sind Promis!).

 

Einer der stolzen Pokalgewinner
 

Nun denn, so wie es mit allen Sachen ist, hat auch das geilste Wochenende, das ich bis jetzt in Form von US-Car-Treffen erlebt habe, ein Ende. So machten wir uns direkt vom Platz, den heiligen Gral (Pokal) im Kofferraum verpackt, auf die Heimreise Richtung Stockholm und genossen noch ein paar Tage die schwedische Landschaft und deren Leute, bevor es über Deutschland weiter nach Österreich und in den Heimathafen Wien ging.

Kuriosität am Rande: Thomas, Martin, Chris und ich schafften es noch am Samstag zum Power Meet nach Wien vom US-Power Club Vienna und holten uns als Wiener lustigerweise den Preis für die längste Anreise. Weiters wurden wir von Clubmitgliedern, z.B. Schmöllis, Greiners, Krickls herzlich auf dem Power Club-Fest begrüßt und ebenso vom US-Power Club Vienna. Denn wie oft kommt es schon vor, dass jemand gleich von Schweden ohne Pause auf ein anderes Treffen fährt. Tom und ich hatten sogar noch die Koffer von der Reise samt den erstandenen Jagdtrophäen im Kofferraum, ehe wir spät Nachts vom Stadionparkplatz todmüde nach Hause fuhren und in's Bett fielen.

Doch eins ist fix: Im Jahre 2002 fahren Tom, Martin und ich sicher wieder rauf nach Schweden, um in Västerås am 25. Power Big Meet teilzunehmen. Da es sich um ein Jubiläums-Event handelt, ist mit einem ganz tollen Treffen zu rechnen, sagte man uns in Schweden. Ich bezweifle aber, dass man etwas so gigantisches noch gigantischer mach kann. Aber wer weiß?
 

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