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ROUTE  66  - FROM CHICAGO TO LA

WOODWARD DREAM CRUISE 2002

 

 

 

 

 

 

 

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FROM CHICAGO TO LA

Ein Bericht von Wolf D. "Hilli" und Roland Hillringhaus

Chicago empfängt uns sehr unfreundlich - alle Motels sind ausgebucht. Ein Jugendtreffen macht uns einen Strich durch meine Planung. Nun gut, die Stadt kann man ein anderes Mal als Start einer Tour planen. Also los, auf die Strecke. Nach Tom Snyders ,,Streckenpilot“ soll man sich nach alten Telefonmasten orientieren. Das ist wirklich das beste Zeichen für die alte, ehrwürdige Straße. Wir sind fast allein auf Tour, denn die Autobahnen (Freeways) halten uns den Verkehr vom Leib. Das ist gut, denn so haben wir Augen für das Rundherum. Daher dürfen wir nach Joliet von einem Autowrack die Nummerntafeln abmontieren. Wir fahren nunmehr entlang der Eisenbahn. Es durfte wohl so gewesen sein, dass sich die westwärts strebenden, califomia-orientierten Glücksucher nach den Schienen gerichtet haben. Die Motoren waren schwach, die Autos überladen. Da lernt man rasch Steigungen vermeiden. Und wo ein Zug raufkommt, schafft es ein auch schwach motorisierter Karren noch lange. Außerdem sind Schienen und Telegrafenmasten eine schon immer gepflegte Zweckehe.

Kurz hinter Shirley überqueren wir daher die Schienen und finden ein altes Eisenbahndepot und einen wirklich antiken Antikshop. Funk‘s Grove wiederum, sozusagen nur um‘s Eck bietet den schmackhaftesten Ahornsirup der USA an. Wir decken uns ein. Die Gegend ist so einsam, dass es unwahrscheinlich anmutet, in den nächsten drei Tagen eine Fressbude zu finden. Dwight bietet ein Fotomotiv: ein altes Motel und die ,,Marathon Oil Station“, beide aus den 30er Jahren und nicht in Betrieb, verlangen nach einem Halt. Einige Meilen danach sollte es Reklame für die Meramec-Höhlen geben. War wohl nichts! Gut eine Stunde fahren wir alle Farmen, einsam verfallende Schuppen und Sandstraßen ab - nichts zu finden. Das wird uns noch öfter passieren.

Über Pontiac (Moment; wo habe ich das schon gehört?) kommen wir nach McLean. Da erwartet uns das ,,Dixie Truckers Home“, ein Lokal seit 1930. Ergo dessen suchten wir - vergeblich - nach einer kleinen alten Hütte. Bei einem ehemaligen Bahnhof ohne Schienen lauert ein Sheriff. Das Gelächter auf unsere Frage ist erst dann verständlich, als er mich um 180 Grad umdreht: wir stehen genau vor dem ,,Dixie“. Es ist ein Riesentrumm von Haus, mit Tankstelle (modern), Truck-Waschstraßen und einem prall gefüllten gigantischen Parkplatz für LKWs. Das mussten wir ja übersehen! Das Lokal hatte seit seiner Eröffnung erst ein Mal geschlossen, nämlich 1965, als es in der Nacht abbrannte. Die Bedienung fragt uns in einwandfreiem Wienerisch mit leichtem Touch in‘s Amerikanische (eine köstliche Mischung) nach unseren Wünschen. Sie ist mit einem Wiener verheiratet und hat unser Idiom vor Ort in Meidling erlernt. Wir suchen nach einer Bleibe. Der Ort Lincoln bietet sich an. Der Name erinnert uns doch an etwas. War es nun Geschichte oder eine Automarke? Jedenfalls ist‘s eher ein Dorf als eine Stadt, nett und überschaubar. Der Präsident gleichen Namens soll es gegründet haben, aber man weiß nicht, wer den Namen zuerst trug. Am Morgen gehen wir unter einer riesigen Neonpalme frühstücken: es ist das ,,Tropics“, erbaut 1942 an der Route 66.

Das Tropics in Lincoln

Verdammt, wie viel Zeit wir vertrödeln. Auf der Interstate 55 rasen wir nach St. Louis. Obwohl der Tacho fast 85 Meilen anzeigt (75 sind erlaubt), werden wir oft überholt. Es ist noch Zeit für das Transportmuseum und den Zoo. Beides ist empfehlenswert. Unser Faible für Eisenbahnen beschert uns den Anblick der längsten und schwersten Dampflok der Welt, dem ,,Big Boy“. (Steckbrief gefällig? Länge 40,5 m, Gewicht satte 540 t, Wasser im Tender 91.000 Liter, Kohle im Tender 28.000 kg.) Um zum Zoo zu kommen, orientieren wir uns vorher eingehend, welche Freeways wir brauchen und welche Exits uns weiterbringen. Gut so, denn die Leute fahren im 3 m Abstand wie die Irren zwischen 70 und 90 Meilen die Stunde. Ich brauche gut 15 Minuten, nur um eine Spur zu wechseln. Oft sind es 5 Spuren, da sind gute Planung und ein eisernes Nervenkostüm angesagt.

Beim Bereisen der Route 66 ist keine Zeit für Städte. Ich beschließe daher: Großansiedlungen sind mit Flugcoupons billig zu erschließen. Wir werden einmal einen Aufenthalt nur zum Besuch all jener Städte planen, die wir aus Zeitmangel nur kurz gestreift haben. Diesmal sind uns die Themen „Go West“ und „Get Your Kicks on Route 66“ das Treibgas.

Trotz des Vorsatzes besuchen wir am nächsten Tag das ,,St. Louis Automotive Museum“. Das ist ein tolles Ding! Wegen diesem allein zahlt es sich aus, einen längeren Halt einzuschieben. Eine Spezialität ist nicht nur, dass jedes Auto exzellent restauriert und fahrbereit ist, sondern dass Du es kaufen und gleich mitnehmen kannst. Da wir nun in Missouri sind, muss man über die Leute Bescheid wissen. Sie nennen sich Ozarks und haben viel Zeit. Fragst Du sie etwa nach dem Weg, brauchst Du ebenso viel Zeit. Nach einer Stunde wissen sie alles über Dich und Du bist so klug wie zuvor. Besser, Du liest die Straßenkarte und verfährst Dich. Da sparst Du Zeit und Nerven. In Gray Summit fragen wir risikobereit nach Autokennzeichentafeln und bekommen zwei geschenkt. Na also. Sind die so freigebig, weil wir bereits im Lande Jesse James‘, des legendären Bankräubers sind? Jesse soll sich in den Meramec-Höhlen versteckt haben. Wir besuchen sie nicht. Erstens wissen wir nicht, wer uns dort ausrauben wird und zweitens ist das warme Gewand ganz unten im Koffer. Das Jesse James Museum in St. Anton (englisch: Stanton) muss es auch tun. Der Geist von Jesse hat den Museumsbetreiber sichtlich inspiriert: der Eintrittspreis erinnert fatal an eine Taschenpfändung. Trotzdem läuft das Geschäft seit 1935 sichtlich gut. Tags zuvor hatten wir mit dem Frühstück in einem alten Cafe begonnen, heute beschließen wir den Tag in einem ebenso alten Motel, dem „Munger Moss“ in Lebanon. 

Das Munger Moss Motel

Die Leutchen sind überaus freundlich. Als sie hören, dass wir die Route 66 in der richtigen Richtung bewusst befahren, bekommen wir Zimmer 66. Roland ist begeistert von der überragenden Neonreklame des Motel. Ich möchte schlafen. Der etwas eigene Humor der Menschen hat uns bis jetzt verschont. Die Stadtväter von Carthage beispielsweise erinnern sich ungern, wie ein Witzbold unter den Grasstreu vor dem Gericht Rübensamen gemischt hatte. Die Rüben gediehen prächtig, der Rasen nicht.

Joplin liegt an der Grenze zu Kansas, durch das die Route nur 35 Meilen führt, die aber im verwirrenden Zickzack. Da bewährt sich ein Schiffskompass, denn wenn Du Tankwarte nach dem Weg fragst, erhältst Du jene Antwort, die dem Mann am Vernünftigsten erscheint. Der Mittelwestler gibt (angeblich) niemals zu, dass er etwas nicht weiß. Frage also nichts, dann triffst Du in diesem Eck immer offene und ehrliche Leute an. Kansas‘ ehrwürdige 66 ist eine enge Straße. Da fanden wir die ,,Bush Creek Marsh Arch Bridge“. Ihr müsst Euch vorstellen: im Nichts steht eine Bogenbrücke aus Beton – als Einbahn deklariert. Nun ja, sie stammt aus den 30er Jahren, aber deswegen...? Kansas ist eben anders. Miami (in Kansas natürlich) ist die Grenze zum Indianerstaat Oklahoma.

Oklahoma Trading Post, Oklahoma City

Die nächsten 260 Meilen bis Okla’ City ist die Route 66 eine gut befahrene, wenn auch enge Straße, die die Leute gerne benützen um die Maut auf der Interstate zu sparen. Man fährt durch ein Land, das wie eine Bettdecke ausschaut. 

Tankstelle bei Geary

Viel grüner Wald wechselt mit kleinen Farmen, kleine Hügel gestalten die Fahrt abwechslungsreich. Ein Traumland für Radfahrer. Nach Geary fahren wir über eine Brücke mit sage und schreibe 38 Bögen in fast unzerstörbaren Stahl ausgeführt. Ein imposanter Anblick! 

Endlose Brücke mit 38 Bögen

Zwei Meilen danach entdecken wir - nirgends beschrieben - eine Tankstelle (auch aus den 30ern) mit einem Tankwagenwrack der frühen 40er. Alte Cafes, Häuser - oft verfallen oder sonst wie kaputt -, schlechte Straßen mit Schotter: das ist hier die Route 66. Wir lernen unseren Geländewagen schätzen. Wo die Wege betoniert sind, leuchten sie in blassrosa und haben halbrunde Einfassungen. Das war der letzte Schrei der innovativen Straßenbauer aus 1940. Diese kaum 10 cm hohen Begrenzungen sehen so unschuldig aus; aber warte nur, bis es gießt. (Regenguss ist nämlich die einzige Form der Nässe von oben.) Dann entstehen dadurch reißende Gebirgsflüsse.

,,Pop Hicks Restaurant“ in Clinton richtet uns mit Speis’ und Trank auf damit wir es bis nach Texas aushalten. Doch vorher nehmen wir den Exit 41 der I-40, weil dort ein liebes, kleines Route 66-Museum einladet. Zeitweise stehen alte Panzer, Kriegsflugzeuge oder Kanonen an der Route. Man darf sich dadurch nicht weiter irritieren lassen, denn sie scheinen eher die Einwohner in Schach halten zu sollen. Witzbolde hatten einst das Ortsschild von Texola leicht verfälscht, indem sie nächtens das ,,T“ mit einem ,,S“ vertauschten. Der Fremdenverkehr des Ortes soll dadurch sprunghaft angestiegen sein. Angeblich suchen heute noch Fremde, die weit weg von zuhause sind, verzweifelt ,,das Haus“.

Clinton

In Shamrock finden wir das viel gepriesene ,,U Drop Inn“. Es ist nunmehr zu mieten und wir müssen auf eine Pause verzichten. Anbei liegt eine Tankstelle, 1936 errichtet - auch (schon lange) zu. Beide Gebäude repräsentieren die ,,Art Deco“ Architektur und sind daher recht auffällig. Jetzt finden wir in und zwischen den Orten immer mehr Hinweise auf die Route 66. Am westlichen Ende von McLean ließ die Benzinfirma Phillips 66 eine 1930er Tankstelle renovieren und stellte einen restaurierten Tankwagen aus derselben Zeit davor. Die Benzinpumpen stammen natürlich auch aus alter Zeit. Alles klarerweise nur Schaustücke und nicht in Betrieb. 

Phillips 66 Tankstelle

Für uns genauso interessant sind alte Wracks um‘s Eck und einige noch-nicht-ganz Wracks vor einer Tankstelle mit angeschlossener Gerümpelhalle. Gegen gute Dollars erstehen wir einige Nummerntafeln und fotografieren wie die Gestörten das (leider) nicht mehr Fahrbereite. Auch dort finden wir ein Route 66 Museum. Wirklich lieb und mit viel Einfühlungsvermögen sind da in Räumen, die jeder ein Jahrzehnt versinnbildlichen, je ein Auto der jeweiligen Zeit samt dazugehörigen ,,antiken“ Möbeln aufgebaut (Im 60er-Raum beispielsweise ein Espresso mit Musikbox). Zusätzlich spielt Musik aus dem entsprechenden Zeitraum. Lieb, wie gesagt.

Es kann einem in diesem Teil der Route schon mal das Zu-Flach-Fieber erwischen. Da ist es an der Zeit, von der geplanten Richtung (= Go West!) nach Süden abzuweichen und den Palo Duro Canyon heimzusuchen. Dies ist eine gewaltige Ritze in der Erde, nur 50.000 Jahre alt, herausgehobelt durch einen eigenwilligen Fluss (Wo kommt denn bloß hier das Wasser her?) und wenn Du unten in Tal bist, siehst Du plötzlich Berge rund um Dich. Sie sind zwar rot, aber doch Berge. Unten braucht man einen Geländewagen (haben wir), denn die Straßen führen manchmal durch Bäche oder Flüsse - je nachdem, ob es geregnet hat und wie viel. Auf der Rückfahrt zur Route 66 treffen wir auf die schon lange vermisste Eisenbahn, die hier etwas abseits der alten Straße führt. Eh klar, in dieser flachen Gegend reicht der Sonnenstand, um direkt nach Westen zu treffen. Den Abend in Amarillo versitzen wir im "Neon Cafe"

Oftmals verläuft „die Alte“ nur mehr als Service-Road direkt neben der Interstate 40. Außer rücksichtslosen einheimischen Pickups hat sie nicht viel zu bieten. Ah, ja, noch etwas hat die Gegend nicht zu bieten: Erhebungen. Sie ist - wie schon erwähnt - flacher als ein Bügelbrett und fördert daher die Bildung von Hurrikans, denen sich nichts, aber auch wirklich nichts in den Weg stellt. Trotzdem sollte man nach links ausschauen, denn eine Künstlichkeit ragt aus dem Boden: 10 alte Autos sind auf der Cadillac Ranch schräg in den Boden gerammt, mit einem Hammer zerdepscht und wüst bemalt worden. Das nennt sich Art-Deco Kunst. Na ja, das Auge hat wenigstens ein wenig Abwechslung.  

Cadillac Ranch

Gerade noch in Texas treffen wir in Adrian zur Jausenzeit auf das ,,Midcafe“. Wir haben nun die halbe Strecke der Route 66 geschafft! Bei Kaffee - oder das, was man dort so nennt - und hausgemachtem Kuchen wird mit dem Mütterchen geplaudert. Sehr viel Gäste dürfte sie nicht haben, denn der zweite Gästeraum ist mit einem vor Jahren vergessenen Weihnachtsbaum, Dekoration aus unterschiedlichen Festen aus diversen Jahren und allem möglichen alten Gerümpel attraktiv gestaltet, aber nicht besitzbar. Wir sitzen so lange, bis ein holländisches Paar hereinkommt und uns aufmerksam macht, dass wir vergessen haben den Motor abzustellen. Nein, das habe ich von Bus- und Truckfahrern gelernt; so bleibt die Aircondition an und das Auto innen kühl. (Tipp für Nachahmer: im Tank sollte immer genügend Sprit und der Reserveschlüssel in der Jean Tag und Nacht vorhanden sein.)

In Glenrio befinden wir uns nun in Neu Mexico. Ab nun sehen wir oft die Schilder der ,,Whiting Brothers“, die hier zur Hochblüte der Route Tankstellen, Motels und andere Erwerbsquellen erschlossen haben. Auf dem Business Loop von Tucumcari bieten einige übriggebliebene Motels eine nette Erinnerung aus den besseren Tagen der alten Straße. In Santa Rosa nehmen wir ein Zimmer in einem alten Motel und bekämen gutes Essen bei ,,Joseph‘s“ (gegründet 1956), wäre nicht die Milch ausgegangen und die Waffelmaschine kaputt. Das ,,Club Cafe“ ist leider immer noch geschlossen.  

Joseph‘s in Santa Rosa

Nach Santa Fe führt ein Stück der Route, das noch befahrbar wäre, wenn Dich nicht die Straßenbauer auf ihre neuen Wege durch allerlei Absperrungen alter, guter Trassen zwingen würden. Trotzdem - die Stadt und ihr Himmel ist den Abstecher wert. Da sich die Einwohner trotz des Status als Hauptstadt beharrlich gegen einen Flughafen gewehrt haben, blicken wir in so einen reinen, durch nichts getrübten blitzblauen Himmel, wie er in den USA selten zu sehen ist. Mit der ,,San Miguel Kapelle“ aus 1610 besichtigen wir die älteste Kirche (unverfälscht) in den Staaten (Eintritt $ 2,--). Da überall Parken verboten oder beschränkt auf eine Stunde ist, lassen wir unser Auto für einen halben Tag beim Visitor‘s Center stehen. Es ist zwar auch nur 1/2 Stunde parken erlaubt, doch der Tipp kommt von einem Einheimischen und ist goldrichtig. Santa Fe zeigt sich als eine sehr spanisch/mexikanische Stadt: flache Dächer, abgerundete Hauskanten, lehmverputzte Wände in strahlendem Weiß. Nur beim Essen sind wir wieder in den USA: es herrscht Rauchverbot, obwohl wir im Freien sitzen und ein Lüfterl geht, denn - im (?) Lokal ist das so. Trotzdem, diesen Platz nicht zu besuchen wäre sehr ungeschickt. 

Santa Fe

Zurück nach Albuquerque kommen wir an der berühmten ,,Santo Domingo Indian Trading Post“ vorbei; leider seit einem Jahr geschlossen. Die Information erhalten wir in einem Indianerdorf (fotografieren strengstens verboten) von einem Indianersheriff. Er hat eine Elefantenbüchse neben sich im Auto. Auf die Frage, wozu denn dieses Ding gut sei, meint er lakonisch: ,,Am Tag nicht nötig, aber in der Nacht sehr hilfreich!“ Von Albuquerque führt die “Alte“ nach Süden über Isleta und dann ab Los Lunas der Bahn entlang weiter nach Westen.

Route 66 "Road Closed"

  Wir fahren in einem ehemaligen Erdbebengebiet mit vielen Spalten und Canyons, sehen daher Lavafelder und Vulkane - und sind für gut 4 Stunden allein unterwegs. Das einzige Telefon im Umkreis von 40 Meilen steht bei der ,,White Horse Mesa Bar“, wo uns ein alter Cowboy Geschichten aus der guten alten Zeit erzählt und uns ein Stück echter alter Route 66 aus den 40er Jahren zeigt. Leider ist sie nach wenigen Meilen gesperrt, denn sie führt nun durch ein Indianerreservat. Erde, Felsen und Berge werden immer mehr rot, bis wir heilige Felsen der Indianer erreichen. Sie sind wie von Riesenhand abgeschliffen und knallrot. Die Gebäude am Straßenrand tragen oft Schilder wie ,,Trading Post“ und/oder ,,Bar“. Da können sich die Indianer mit Alkohol eindecken. Immer noch. Und da sie das Feuerwasser aufgrund ihres anderen Stoffwechsels als wir Weiße nicht vertragen, versteht sich die mannstoppende Büchse des Sheriffs von Santo Domingo. Da nun Schienen unsere steten Begleiter sind, sehen wir alle 15 Minuten einen Zug der Santa-Fe-Railroad, meiner Lieblingslinie. Ihren Heimatbahnhof hatten wir zwei Tage vorher besucht. Bei Mc Cartys begleiten uns weite Lavafelder aus Basalt. Das ist die Gegend, wo Hemingway “Der alte Mann und das Meer“ geschrieben hat. Nach Thoreau überqueren wir die “Continental Divide”, die Kontinentalscheide. Wir merken nicht viel davon, denn unser Blick ist auf das nahe Arizona gerichtet. 

Continental Divide

Beim Ort Gallup haben wir diesen Bundesstaat fast erreicht. Südlich der Interstate-40/Exit 294 finden wir ein verschlafenes billiges Motel und daneben eine Tankstelle, von Indianern betrieben. Wenn Du viel Zeit hast und gut englisch schimpfen kannst, dann tanke dort, denn Indianer können sich gegenüber Weißen manchmal ganz schön gleichgültig geben. Auf der nördlichen Seite der Interstate liegt ein Campingplatz. Vor ihm finden sich Ruinen von Geschäften der alten Route. Ein Aufpasser stellt uns und fragt nach unserem Begehr (Müssen wir uns auffällig benommen haben!) . Er ist nett und zeigt uns einen metallenen Grenzstempel der Highway-Behörde mit der Aufschrift ,,Route 66/1966“. Dieser ist leider unverrückbar im Boden fixiert. Ausbuddeln geht nicht, denn man beobachtet uns weiter! Noch ein Geheimtipp für ewig Hungrige: I-40/Exit 292 führt zu einem Truck Stop. Ein Schild zeigt einen ,,Burger King“ an, aber bitte nicht abschrecken lassen! Hinein in das Gebäude und auf in‘s ,,Country Cafe“. Da sitzen nicht nur richtige Typen von Truckfahrern aller Gewichtsklassen, sonder es gibt ein Buffet ,,All You Can Eat“ (alles, was Du verdrücken kannst). Preise: 22.00 bis 4.00 Uhr: $ 4,-; 4.00 bis 10.30 Uhr: $6,--; 10.30 bis 16.00 Uhr: $ 8,-- und 16.00 bis 22.00 Uhr: $ 9,--. Das nördliche Arizona kennen wir aus früheren Reisen schon recht gut. Doch vor der Weiterfahrt schauen wir in die ,,Painted Desert“ (bemalte Wüste) und in den ,,Petrified Forrest“ (versteinerten Wald). 

Panorama über den Pertified Forrest

Der halbe Tag, den wir aufbringen müssen, zahlt sich aus. Durch Vulkanausbrüche vor etwa 50.000 Jahren hat sich ein Naturwunder gebildet: die Wüste ist durchsetzt mit Hügeln und Gupferln, die in allen Farben schillern, auch in blau! Noch interessanter sind wohl die versteinerten Sequoia-Bäume, die da so einfach umher liegen und durch eine Laune der Natur mit Quarz versetzt sind. Diese zu Stein gewordenen Zeugen einer Naturkatastrophe lassen uns den Mund staunend offen stehen.  

Versteinerte Baumstämme im Petrified Forrest

In Holbrook zeigen sich einige Restbestände der alten Straße. Das Motel ,,Wigwam Village“ ladet zum Übernachten ein, wenn Du schon lange mal in einem Tipp schlafen wolltest. Es ist tadellos restauriert und hat seinen Preis, denn die Idee wurde bereits 1936 patentiert. Wir gehen gegenüber in ,,Joe’s and Aggie’s Cafe“ und laben uns nach der Mühe, in der Hochwüste umher gestiefelt zu sein. Außerdem sitzen wir da im Ambiente eines Lokals der frühen 50er. Am Straßenrand kommen immer öfter Schilder mit einem kauernden Hasen. Sie zeigen, wo die ,,Jackrabbit Trading Post“ zu finden ist. Beim ,,HERE IT IS!“ findet man gute Atmosphäre und eine Einrichtung aus den 40er Jahren. Bei Winslow verlassen wir die Route 66, um dem “Meteor Crater“ einen Besuch abzustatten. Er liegt in 2700 m Seehöhe, hat 3 km Durchmesser und wurde von einem Weltraumvagabunden vor 50.000 Jahren in die Erdkruste geschlagen. Ob das mit der bemalten Wüste und dem versteinerten Wald in Zusammenhang steht? Die örtliche Nähe dazu bringt mich auf diesen Gedanken. Auf die metallene Aussichtsplattform dürfen wir nicht, da die Luftelektrizität derzeit so hoch ist, dass wir von einem überraschenden Blitz getroffen werden könnten. Schade. Hier endet nun unsere durchgehende Reise von Chicago auf der Route 66. Den Rest bis Los Angeles werden wir ein anderes Mal vollenden. Wir biegen nach Süden ab, um bei Tucson die Nationalparks der Kakteenarten ,,Saguaro“ und ,,Organpipe“ zu bewundern. Dann geht es weiter entlang der mexikanischen Grenze nach San Diego. Die berühmte State Road ,,California 1“ nach San Francisco ist jener Teil, der uns noch fehlt, um die gesamte ,,1er“ von Seattle bis San Diego ,,erfahren“ zu haben. Wir genießen es sehr, denn das Meer ist warm und die Wellen angenehm, wenn auch manchmal ein wenig hoch. Ein weiterer Abstecher führt uns nach Nevada. Wir besuchen ein Bergwerk in Virginia City, die noch aktive Silberstadt, die mit ihren Bodenschätzen den Amis geholfen hat, den 2. Weltkrieg zu finanzieren. Reno und sein berühmtes Automuseum reizt natürlich auch zum Aufenthalt. Am Rückweg nach San Francisco schieben wir am Lake Tahoe bei der Ponderosa Ranch (das ist die Kulisse der Fernsehserie „Bonanza“) einen Halt ein. Und in Novato und Oakdale beglücken wir zwei weitere Freunde mit unserer Anwesenheit. Doch vorher ist in Santa Monica eine Übernachtung angesagt, denn dies ist das Ende der ,,Go West“-Strecke am Strand des pazifischen Ozeans. Und dort planschen wir im Meer so wie (vielleicht) einst die verschwitzten Absolventen der alten, alten Straße, der Route 66.

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