OLDTIMERMESSE TULLN 1999 - Aus der Sicht von Manfred Riekmann

Seit zwei Jahre richten die Custom Cruisers auf der Oldtimermesse in Tulln einen Clubstand ein, der beim Publikum immer gut ankommt, da die ausgestellten Autos oft besondere Raritäten aus der amerikanischen Automobilgeschichte darstellen. Auch heuer kamen wir dieser Tradition nach.

Wie jedes Mal vor einer Veranstaltung nimmt man sich vor alles rechtzeitig zu planen. So eigentlich auch dieses Mal. Die Praxis sah allerdings auch vor der heurigen Oldtimermesse wieder einmal anders aus. Aufgrund eines verschwundenen Anmeldeformulars und einer Messeleitung, die auf unser Fax nicht reagierte, trudelte die Anmeldung unseres Clubs verspätet in Tulln ein. So wussten wir bis zuletzt nicht ob wir heuer überhaupt einen Clubstand errichten konnten. In letzter Minute bekamen wir dann doch das OK. Leider hatte man den Platzbedarf unserer Autos etwas unterschätzt, wie sich später herausstellen sollte.

 Endlich war der Freitag gekommen, der Tag an dem der Aufbau erfolgen sollte. Am Tag davor hatte ich schon meinen goldenen Oldsmobile Dynamic 88 von 1958 aus der Garage geholt. Ich hatte mich wieder völlig darauf verlassen, dass das brave Auto problemlos funktionieren würde, auch wenn es seit einem Jahr nicht mehr in Gebrauch war. Willi Flatischler kam mit seiner schönen weißen 1975er Corvette zu mir in die Firma von wo aus wir mit unseren beiden Autos gemeinsam in Richtung Oldtimermesse starteten. Wir nahmen den Weg über Laab im Walde, Neu-Purkersdorf und Gablitz über den Riederberg nach Tulln, wo wir ohne Zwischenfälle eintrafen. Wir wurden dort schon von Werner Steurer erwartet und zu dem für uns reservierten Platz dirigiert. Kurz darauf trafen Felix Greiner mit seinem super gepflegten schwarz-goldenen "Bandit"-Trans Am und Wolfgang Pawlitza mit seinem 1964er Caddy Cabrio, das durch seine Größe und seine Farbkombination - schneeweiß mit roter Tapezierung - viele neugierige Blicke auf sich ziehen sollte. Walter Schmöllerl stand uns dankenswerterweise auch heuer wieder mit seinem Chevy Suburban als "Spediteur" zur Verfügung. Er hatte zuvor noch einige Holzlatten vom Baumarkt geholt, die dann zu einer mit Leintüchern bespannten Trennwand umfunktioniert wurden. Mittlerweile trafen Erwin und Anita Frey mit Werkzeug und verschiedensten hübschen Dekorationsmaterialien ein, die auf unserer Trennwand montiert wurden. Auch unser Clubtransparent kam dort zu neuen Ehren. Bevor wir die beiden Fahnenstangen aufstellen konnten, welche Erwin organisiert hatte, mussten wir uns über die Aufstellung der Fahrzeuge einigen. Nach einigen Diskussionen konnte man sich dann doch auf einen Konsens einigen. Kurz darauf waren die Stangen aufgestellt und die rot-weiß-blaue Luftballonkette, die die Krickls angefertigt hatten, quer über unseren Stand gespannt. Über kurz oder lang entstand auch heuer wieder ein recht hübscher und attraktiver Clubstand der Custom Cruisers, der viele Fans amerikanischer Autos erfreuen sollte.

 Am Samstag, dem ersten Tag der Messe war zwar sehr gutes Wetter aber es war bei weitem nicht so heiß wie voriges Jahr. Entsprechend fanden sich auch mehr Besucher ein. Auch der Sonntag war gut besucht und sehr viele Besucher interessierten sich für unsere Clubfahrzeuge. Besonders gefreut hat sich das "Standpersonal" über die zahlreichen Custom Cruisers, die uns an den beiden Tagen besucht haben und von uns mit Kaffee und Knabbereien, die die Steurers besorgt hatten, verpflegt wurden.

 Wie alles Schöne, geht auch eine Oldtimermesse zu Ende. Am Sonntag am späten Nachmittag ging's dann ans Abbauen. In umgekehrter Reihenfolge wurde alles wieder zerlegt und in den Suburban gepackt. Wolfgang, Willi und Felix fuhren ihre tollen Exponate, die sicherlich bei einer Vielzahl von Besuchern, besonders den jungen, einen bleibenden Eindruck hinterließen wieder nach Hause. Meinen Oldsmobile ließ ich noch stehen, da mir Heinzi Deimböck beim Überstellen des Autos helfen wollte. Wir brachten erst ein anderes Auto nach Wien und holten dann in der Nacht den goldenen Olds, oder wollten ihn besser gesagt holen. Als wir etwa eine halbe Stunde vor Mitternacht wieder im Messegelände eintrafen stellte ich fest, dass die Schlüssel des Olds verschwunden waren. Da standen wir nun! Die einzige Möglichkeit, die uns blieb war das eigene Auto aufzuknacken. Hut ab vor den Autodieben in den Fünfzigerjahren! Die Autos waren wahre Panzer. Die Fensterrahmen am Olds sind extrem dick und stabil und können kaum zur Seite gebogen werden um einen Schweißdraht einführen zu können. Nach einer Dreiviertelstunde hatten wir das Auto endlich offen. Das weitere war ein Klacks! Zündschloss abgesteckt, zwei Kabelbrücken am Stecker angelegt und schon lief die Kiste. Alles schien in Ordnung. Wir verließen das Messegelände erleichtert in Richtung Wien. Zum Glück begleitete mich Heinzi mit seinem Opel, denn wir kamen nur bis zum zweiten Kreisverkehr nach der Tullner Ortstafel. Der Motor des Oldsmobile starb ab und war nicht mehr zu starten. Das ganze um eins in der Nacht auf offener Freilandstraße. Wir stellten fest, dass kein Zündfunken vorhanden war und der Motor deshalb nicht mehr lief. Es gelang uns mit unserem spärlichen Werkzeug nicht den Unterbrecher zu verstellen. Wozu bin ich eigentlich beim ÖAMTC? Also, einfach anrufen! Der Techniker am Telefon meinte: "Ja, ich fahre jetzt von Krems weg zu Ihnen und bin in ca. einer Stunde vor Ort" Dies war mir aber doch zu lange und ich sagte dem ÖAMTC-Mechaniker ab. Da wir die Panne vor einer geschlossenen OMV Tankstelle hatten beschlossen wir das Auto auf die Tankstelle zu schieben und am nächsten Tag mit Werkzeug und Ersatzteilen wieder zu kommen. Plötzlich raschelte es im Gebüsch neben dem Auto und eine Gestalt kam aus der Dunkelheit fragte: Wos is', brauchts a Werkzeig?" Es war der Tankstellenpächter, der nach Reinigung und Nachschlichten der Verkaufsregale im Tankstellenshop heimfahren wollte. Unser Retter stattete uns mit dem notwendigen Imbus-Schlüssel aus und ermöglichte uns dadurch doch noch eine sichere Heimfahrt. Um drei Uhr früh war ich endlich zu Hause und ein Messewochenende, welches ich nicht so schnell vergessen werde, war zu Ende.